Rechtliches

Die rechtliche Situation Ambrosia zu bekämpfen ist schwierig, da es in Deutschland keine rechtlichen Grundlagen gibt gegen Pflanzen vorzugehen.  Das betrifft nicht nur Ambrosia, auch andere invasive Pflanzen:  der japanische Knöterich zerstört Uferböschungen, unter dem indischen Springkraut wachsen nicht einmal mehr Brennesseln, die Kermesbeere verhindert den Unterwuchs im Wald.

Die Ambrosia bietet aber eine Gefahr für die Gesundheit in vielen Kilometern Umkreis.

Auf öffentlichen Flächen können die Straßen- und Grünflächenbehörden vorgehen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie die Pflanzen kennen, und den Auftrag bekommen die Flächen zu bearbeiten. Die Bearbeitung ist in dem Fall Mähen, was aber mindestens monatlich erfolgen muss, und das über Jahre. Das bedeutet konkret, dass von den Kommunen und dem Kreis Ressourcen (Zeit, Leute, Gerät) zur Verfügung gestellt werden muss.

Auf privaten oder landwirtschaftlichen Flächen sieht die Situation ganz anders aus, da gibt es kaum Möglichkeit für Ordnungsbehörden einzugreifen.

Man könnte sagen: „Von Ambrosia geht eine Gefahr für die Gesundheit aus!“
Das ist zwar richtig, aber eine ‚Gefahr für die Gesundheit‘ kann nur das Gesundheitsamt für eine akute Gefahr feststellen, wie sie beispielsweise bestimmte Infektionskrankheiten sind. Die Allergie, die Ambrosia auslöst, tritt aber erst in der Zukunft ein.

Man könnte es auch als ‚Gefährdung der Ordnung‘ sehen, dann wäre der Oberbürgermeister und damit die Ordnungsbehörde zuständig. Die haben normalerweise weder die entsprechenden Kenntnisse noch erforderliche Ressourcen.

Ambrosia in der Landwirtschaft zu bekämpfen ist schwieriger als auf anderen Flächen. Dabei sind die Umweltämter des Landkreises zu konsultieren.

In Gärten und anderen privaten Flächen kann nur der Besitzer die Pflanze bekämpfen.

Eine gewisse, aber noch unbegründete Hoffnung bietet die EU-Verordnung 1143/2014, die den Umgang mit einer Liste invasiver gebietsfremder Arten regelt. Diese Verordnung wurde am 16.9.2017 im Bundesnaturschutzgesetz in den §§ 40, 48a und 51a umgesetzt.
Diese Neuregelung hat aber zwei Haken, weswegen sie bei Ambrosia nicht greift: die Liste ist eine abgeschlossene Liste, auf der Ambrosia nicht aufgeführt ist. Sie zu erweitern bedarf EU-weiter oder nationaler Regelungen. Zum zweiten betrifft die Regelung Ökosysteme, nicht Einzelvorkommen. Aber immerhin sind Zuständigkeiten geregelt. In Brandenburg, wo der Handlungsdruck am größten ist, mag das die Bestrebungen hier Regelungen zu treffen wenigstens auf Landesebene stärken.

Unbefriedigend ist die Frage der Kosten und der Haftung.
Dem Landwirt entstehen erhebliche Ernteeinbußen, von den zusätzlichen Kosten für die Entfernung abgesehen.

Um eine Vorstellung zum Aufwand zu bekommen:
Auf einer Fläche von 1000 qm habe ich bei 10 Begehungen und einem zeitlichen Aufwand von 20 Stunden über 1000 Pflanzen entfernt.
Für die Suche nach anderen Vorkommen in Wiesloch nur auf den wichtigsten kritischen Flächen brauchte ich weitere 20 Stunden.

In einem Fall ist naheliegend, dass die Samen durch gekauften Mutterboden eingeschleppt wurde.
Es gibt keine Möglichkeit, den Lieferanten in die Haftung zu nehmen.

Gegenbeispiel Schweiz:

Die Schweiz hat Ambrosia in die Gesundheitsgesetze aufgenommen.
Vorkommen sind meldepflichtig.
Der Besitzer ist für die Beseitigung zuständig und hat die Kosten zu tragen.
Werden Samen eingeschleppt, ist der Verursacher haftbar, insbesondere wenn Mutterboden gehandelt wird.

Die Schweiz gehört nicht zur EU, aber in Ungarn und Serbien gehen die Bestrebungen Gesetze zu ändern in die gleiche Richtung.
Es bleibt also noch die Hoffnung, dass die Gesetze geändert werden bevor sich die Pflanze etabliert hat.